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Der Findelkäfer

Es ist nicht leicht an einen erstklassig erhaltenen, alten Käfer zu kommen. Dafür gibt es weder ein Patentrezept, noch einen Trick, noch eine verlässliche Quelle. Aber diese Traumautos tauchen immer wieder auf, und mit jedem einzelnen davon ist eine ganz besondere Geschichte verbunden. Hier ist Heikos Geschichte von seinem orangefarbenen 1302 – soweit er sie überhaupt kennt!

Angefangen hat das Ganze vor ungefähr vierundzwanzig Jahren, als in Offenbach eine Bundesstraße saniert werden sollte. Dabei stand ein Käfer im Weg. Der war legal geparkt, aber vermutlich schon seit Jahren. Die zuständigen Behörden schreiben den Halter mehrfach an, bekamen aber niemals Antwort. Er schien schlichtweg verschollen.

Der Gemeinde blieb nichts anderes übrig als den Wagen abzuschleppen und erst einmal zu verwahren. Jeder weitere Versuch mit dem Eigentümer Kontakt aufzunehmen, scheiterte. So erhielt der Abschleppunternehmer 1995 den Auftrag den alten und vermeintlich wertlosen Käfer zu verschrotten.

Glücklicherweise hat dieser Abschleppunternehmer einen Freund namens Alfred, der für seine Käferliebe bekannt ist. Deshalb wurde der 1302 ganz einfach bei Alfred auf dem Hof „entsorgt“. Vielversprechend sah der Wagen nach all den Jahren des Herumstehens natürlich nicht aus. Zu den rundum verbeulten Kotflügeln hatte sich inzwischen eine leichte Oxydschicht und etwas Moos auf dem Lack gebildet.

Alfred erneuerte alle vier Kotflügel und verrieb die eine oder andere Flasche Lackreiniger auf der restlichen Karosse. Als er ein Jahr später für ein anderes Projekt Geld brauchte, entschloss er sich den rostfreien Erstlack-1302 mit den originalen 54.000 km auf dem Buckel an Heiko zu verkaufen. Der beschäftigte sich zu diesem Zeitpunkt mit Eheschließungsgedanken. Nun kamen seine Evi und er auf die Idee sich das Wägelchen zum Hochzeitsgeschenk zu machen. Gedacht, getan! Im Anschluss an die Hochzeitsreise traten für den bislang absolut naturbelassenen Käfer einige Veränderungen ein.

Alfred half bei der Tieferlegung, die vorn durch Einsetzen grüner Kerscher-Federn nebst gelber Rebound-Konis und hinten durch Verstellen der Drehstäbe erreicht wurde. Eigenartigerweise dämpfen an der Hinterachse rote Konis die Schwingungen, obwohl die entgegengesetzte Anordnung der „Koni-Farben“ weitaus sinnvoller ist. „Reine Geschmackssache“, meinte Heiko und verbaute gleich noch eine stählerne Domstrebe sowie einen stärkeren Stabi an der Vorderachse die er bei vier „Füchse“, die Firma Nelbach in Frechen auf Hochglanz brachte. Die vom „Zwoliterneunvierzehn“ stammenden Felgen in den Maßen 5,5 x 15 ET 41 weisen schon ab Werk den Käfer-typischen 4 x 130-iger Lochkreis auf. Ihre hohe Einpresstiefe erlaubte die problemlose Montage von 10 mm starken Distanzscheiben rundum. In den hinteren Radhäusern ließen sich so ganz ohne Schwierigkeiten 205/60er Yokohamas unterbringen. Für vorne fiel die Wahl auf 195/50er. Bei der Gestaltung des Innenraums gingen die Frischvermählten erstmals fremd, indem sie zwei Recaros aus einem D-Kadett installierten. Auf dem Boden liegt ein Teppichsatz vom Käferland. Der Handschuhkasten aus Pappe verschwand und an seine Stelle trat ein selbstgefertigtes stabiles Blechbehältnis das ein fernbedienbares Pioneer-Radio mit CD-Spieler aufnahm. Der Haubenzug für den Kofferraum hat jetzt noch mehr Halt an seinem Originaleinbauplatz. Die Lautsprecher des Infinity-Zweiwegesystems stecken in GFK-Konsolen vom Käfershop Duisburg und sind im Fußraum von Fahrer und Beifahrer untergebracht. Hinter der Rückbanklehne verbergen sich eine dicke Basskiste und die dazugehörige Magnat-Endstufe.

Aus „kosmetischen Gründen“ stattete Heiko dem Frankfurter Käferland einen zweiten Besuch ab. Dabei erwarb er zwei hochglanzpolierte Alu-Trittbretter und die aus Amerika stammende Bra, die des Käfers Antlitz vor Steinschlägen und Insekten schützt. Dass der zwischenzeitlich 30-jährige Schrauber den 1302 derart „einwickelt“, kommt nicht von ungefähr – er ist Verpackungsmechaniker von Beruf!

Im Sommer findet man das orangefarbene Traumauto auf allen irgendwie erreichbaren Käfertreffen – von Petterweil bis Chateau d´Oex! Dadurch kletterte der Tachostand mittlerweile auf stolze 124.000 km. Das wiederum spricht für viel Spaß, den Heiko und Evi mit ihrem Wolfsburger innerhalb dieses Zeitraums gehabt haben müssen. Umso erstaunlicher ist es, das neben dem Anschaffungspreis lediglich die vergleichsweise geringe Summe von DM 8.000 in dem Fahrzeug steckt. Es ist also möglich einen „Premium-Wagen“ zu fahren, ohne dabei den Grundgedanken des Volkswagen total übern Haufen zu werfen!

(Halter- bzw. Herstellerangaben) Basisfahrzeug: 1302 Erstzulassung: 1972 Lackierung: leuchtorange (Erstlack bis auf die Kotflügel) Motor: Serie Leistung in PS: 44 Hubraum: 1.276 ccm Federung/Stoßdämpfer vorn: Kerscher grün / Koni gelb Federung / Stoßdämpfer: Serie verstellt / Koni rot Felgen: Fuchs, (Vierloch von VW-Porsche 914 2.0) 5,5 x 15 ET 41 Distanzscheiben: 10 mm an jedem Rad Reifen vorn: Yokohama 195/50/15 Reifen hinten: Yokohama 205/60/15 Bremsanlage: Scheibenbremsen vorn (original VW nachgerüstet) Alltags- und Winterfahrzeug: Alfa 146

Über den Autor

Claudia Schmuck


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